Die Grundlagen des Islams

grundlagen islam 27.10.2022
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Dieser Artikel handelt von den Grundlagen des Islams, genauer von den fünf Säulen des Islams sowie den sechs Säulen des Glaubens (des Imans). Diese beruhen auf dem bekannten Gabriel-Hadith, welchen der Leser zu Beginn des Artikels findet. Es folgt eine Erläuterung der Säulen des Islams, welche fünf Handlungen darstellen, die grundlegend sind für die Religion. Anschließend werden auch die sechs Säulen des Glaubens erläutert: die fundamentalen Glaubensinhalte des Islams, ohne die der Glaube nicht vollständig ist.

Der Gabriel-Hadith

Die Aufteilung des Islams in Säulen basiert unter anderem auf einem Hadith, in dem der Engel Gabriel den Propheten Muhammad, Friede sei mit ihm, über die Grundlagen der Religion unterrichtet. Dieser Hadith legt fest, welche Handlungen zu den Säulen des Islams und welche Überzeugungen zu den Säulen des Glaubens gehören.

Überliefert wurde der Hadith von Umar b. al-Khattab, einem der engsten Gefährten des Propheten, Friede sei mit ihm. Er berichtete, dass die Gefährten eines Tages mit dem Propheten, Friede sei mit ihm, zusammensaßen. Es erschien ein Mann in sehr weißer Kleidung und mit sehr schwarzem Haar. Keiner der Anwesenden kannte ihn, doch er erschien nicht wie ein Reisender zur damaligen Zeit.

Der Mann setzte sich vor dem Propheten hin und sagte: „Oh Muhammad, erzähle mir vom Islam.“

Der Prophet erwiderte: „Der Islam besteht darin, zu bezeugen, dass es keinen anbetungswürdigen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist, das Gebet zu verrichten, Zakah zu geben, den Monat Ramadan zu fasten und die Pilgerfahrt zum Haus Allahs zu vollziehen, wenn es möglich ist.“ Daraufhin antwortete der Mann: „Du hast Recht gesprochen“, was die Gefährten sehr erstaunte, denn er stellte eine Frage, nur um dann die Antwort zu bestätigen.

Anschließend sagte der Mann: „Erzähle mir vom Glauben (Iman).“

Daraufhin antwortete der Prophet, Friede sei mit ihm: „Der Glaube ist der Glaube an Allah, an Seine Engel, Seine Bücher, Seine Gesandten, den jüngsten Tag und der Glaube an die Vorherbestimmung, sei sie gut oder schlecht.“ Wiederum bestätigte der Mann das, in dem er sagte: „Du hast Recht gesprochen.“

Er fuhr fort: „Erzähle mir von der Vortrefflichkeit (Ihsan).“

Der Prophet, Friede sei mit ihm, sagte: „Vortrefflich ist es, Allah so zu verehren, als ob du Ihn sehen würdest, denn wenn du Ihn nicht siehst, so sieht Er dich doch.“

Als der Mann ihn aufforderte, von der Stunde zu erzählen, antwortete der Prophet, Friede sei mit ihm: „Der Befragte weiß es nicht besser als der Fragende.“ Doch dann fragte er ihn nach den Zeichen der Stunde. Daraufhin sagte er, Friede sei mit ihm: „Die Sklavin wird ihre Herrin zur Welt bringen, und du wirst die barfüßigen, nackten, mittellosen Hirten sehen, die im Bau von hochragenden Gebäuden wetteifern.“ Daraufhin ging der Mann fort. Umar blieb für eine Weile. Da sagte der Prophet, Friede sei mit ihm: „Oh Umar, weißt du, wer er war?“ Er sagte: „Allah und Sein Gesandter wissen es am besten.“ Der Prophet sagte: „Wahrlich, es war Gabriel, der kam, um euch eure Religion zu lehren.“ [Muslim].

Dieser Hadith beschreibt, wie der Engel Gabriel sich als Mensch auch den Gefährten des Propheten, Friede sei mit ihm, offenbarte, um ihnen die Religion zu lehren. Zu diesen Lehren gehören die fünf Säulen des Islams, die sechs Säulen des Imans sowie der Ihsan und die Vorzeichen der Stunde, also dem Ende der Welt. Auf die ersten beiden gehen die folgenden Unterkapitel näher ein.

Die fünf Säulen des Islams

Für die Bedeutung der fünf Säulen des Islams ist es zunächst wichtig, die Bedeutung des Wortes „Islam“ zu definieren.

Die Bedeutung von „Islam“

Das Wort „Islam“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet „Hingabe“, die Hingabe zu einem einzigen Gott. Dies entspricht der Lehre aller Propheten, die vor Muhammad, Friede sei mit ihnen allen, kamen: etwa Abraham, Jesus und Moses. Ein verwandtes Wort zu „Islam“ ist das Wort „Salam“. Es bedeutet „Frieden“ und stammt aus der gleichen Wortwurzel. Daher könnte man den Islam auch als eine Hingabe, die den Frieden herstellt, definieren. Der Friede, der hergestellt wird, ist zunächst einmal mit dem Schöpfer, dann mit sich selbst und der jeweiligen Umgebung, den Mitmenschen und der gesamten Schöpfung. Nimmt man den Islam an, ist man Muslim geworden. Muslim bedeutet „Gottergebener“: Ein Mensch, der sich dem Willen Allahs ergeben hat, indem er die Gebote und Verbote Gottes einhält.

Dieser Gott ist ein einziger Gott, was die Grundaussage des Islams darstellt. Daher ist der Monotheismus auch der Kern der Religion, ohne den sie ungültig ist. Alle die Gesandten zuvor sowie diejenigen, die ihnen Glauben schenkten, waren demzufolge auch Muslime und ihre Religion war der Islam. Dieser wurde nicht erst mit Muhammad, Friede sei mit ihm, eingeführt. Vielmehr existierte der Islam als erste Religion auf der Welt, bevor er von den verschiedenen Völkern verfälscht wurde. Das Christen- und Judentum war zu seiner jeweiligen Zeit die richtige Religion. Als die Menschen diese verfälschten, kamen neue Gesandte mit neuen Büchern, die die Völker an die richtige Religion erinnerten. Teilweise offenbarte Allah den Gesandten unterschiedliche Regeln, denn die Bedürfnisse der Menschen ändern sich mit Ort und Zeit etwas. Jedoch blieben die Glaubensinhalte der Religion immer gleich.

Die fünf Säulen

Die fünf Säulen des Islams sind die wichtigsten Handlungen, die ein Muslim durchführt, um seine Ergebenheit zu Gott auszudrücken. Abgesehen von dem Gabriel-Hadith finden sich diese auch in einer anderen Überlieferung, in der der Prophet, Friede sei mit ihm, sagte: „Der Islam wurde auf fünf gegründet: […]“[Bukhari, Muslim]. Die Punkte, die er in dieser Überlieferung aufzählte, decken sich mit denen aus dem Gabriel-Hadith. Diese sind die Folgenden:

Das Glaubensbekenntnis (Schahada)

Die Grundlage des Islams und gleichzeitig seine wichtigste Säule stellt das Glaubensbekenntnis dar. Dieses besteht aus zwei Teilen, dem Zeugnis, dass es keinen anbetungswürdigen Gott außer Allah gibt und dem Zeugnis, dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist. Durch das erstmalige Aufsagen dieses Bekenntnisses voller Überzeugung nimmt eine Person den Islam an. Es drückt den zentralen Glauben aus, den ein Gläubiger in sich trägt, und ist die Basis für all die Glaubensinhalte und Anbetungen im Islam.

Das Gebet (as-Salah)

Die zweite Säule des Islams ist das rituelle Gebet. Es unterscheidet sich von einem einfachen Bittgebet, welches zu jeder Zeit ohne spezielle Rahmenbedingungen gesprochen werden kann. Durch das rituelle Gebet verbindet sich der Gläubige auf eine besondere Art mit Seinem Schöpfer. Der Ablauf des Gebets und die davor notwendige Waschung wurde den Menschen vom Propheten, Friede sei mit ihm, gezeigt. Man verrichtet es fünfmal täglich zu spezifischen Zeiten. Das rituelle Gebet ist die wichtigste Säule nach dem Glaubensbekenntnis und unterscheidet den Muslim von einem Nichtmuslim [Muslim, Ibn Madscha].

Die jährliche Pflichtabgabe (Zakah)

Die jährliche Pflichtabgabe wird an festgelegte Empfänger wie Arme und Bedürftige gezahlt. Sie wird fällig, wenn eine Person einen bestimmten Betrag an angesammeltem Vermögen überschreitet. Dieses Vermögen muss ein gesamtes Jahr im Besitz des Zakah-Zahlenden gewesen sein. Der Pflichtanteil, der dann auf jeden Fall gezahlt werden muss, beträgt 2,5 Prozent des Vermögens. Es ist aber auch möglich, freiwillig mehr zu spenden. Beachtet werden muss nur, dass der Empfänger zu einer der vorgeschriebenen Kategorien zählt: Arme oder bedürftige Menschen, Reisende, verschuldete Personen und Verwalter der Zakah sowie Menschen, die nicht frei sind, wie etwa Sklaven. Außerdem kann man das Geld auf Allahs Weg ausgeben, oder zur Versöhnung der Herzen [Koran 9:60].

Das Fasten im Ramadan

Die vierte Säule ist das Fasten im Monat Ramadan, welcher der neunte Monat des Mondkalenders darstellt. Dabei enthält sich der Muslim von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dem Essen, Trinken und dem Geschlechtsverkehr. Das Ziel davon ist es, die Frömmigkeit und das Gottesbewusstsein zu mehren. In einigen Fällen stellt das Fasten eine Erschwernis für den Menschen dar und muss unterlassen werden, etwa während der Menstruation, im Wochenbett oder bei Krankheit. Ist man entschuldigt, holt man die versäumten Tage nach dem Ramadan nach [vgl. Koran 2:183-187].

Die Pilgerfahrt (Hadsch)

Die letzte Säule des Islams ist die Pilgerfahrt zum Hause Allahs, also der Kaaba in Mekka. Diese wurde auf Allahs Geheiß von dem Propheten Ibrahim und seinem Sohn Ismail, Friede sei auf ihnen, erbaut. Allah befahl ihnen, unter den Gläubigen dieses Haus zum Zielort der Pilgerfahrt zu etablieren [vgl. Koran 2:125-127]. Seitdem pilgern die Gläubigen jedes Jahr zur jeweiligen Zeit an diesen Ort. Die Pilgerfahrt muss von jedem Muslim einmal im Leben vollzogen werden, vorausgesetzt, dass er die körperlichen und finanziellen Mittel dazu hat. Sie ist ein besonderes Erlebnis, durch das man die Brüderlichkeit im Islam spüren kann und eine Möglichkeit, sich von allen Sünden und Fehlern zu reinigen.

Abgesehen von diesen Säulen gibt es im Islam noch weitere Vorschriften und Pflichten. Bei den fünf Säulen handelt es sich jedoch um die Handlungen, auf denen der Islam basiert und die damit wichtigsten. Daher sollten ihnen besondere Achtung geschenkt werden.

Die sechs Säulen des Imans

Der Iman ist das arabische Wort für den Glauben. Das Wort repräsentiert die feste Überzeugung im Herzen, die durch entsprechende Handlungen bestätigt wird. Während die fünf Säulen des Islams diese Handlungen darstellen, die den Glauben ausdrücken, sind die sechs Säulen des Imans Glaubensinhalte, von denen jeder Muslim überzeugt sein muss. Wie im Gabriel-Hadith beschrieben, sind diese Glaubensinhalte wie folgt:

Der Glaube an Allah

Diese Säule ist eng verbunden mit der ersten Säule des Islams, dem Glaubensbekenntnis. Während die Schahada die Handlung beschreibt, die einen zum Muslim macht, handelt es sich bei der ersten Säule des Imans um den inneren Glauben an Allah. Dies beinhaltet die Überzeugung, dass ein Gott existiert und dass dieser der alleinige Schöpfer aller Dinge ist. Seine Eigenschaften sind vollkommen. Er versorgt, erhält und besitzt das gesamte Universum. Außer Ihm gibt es keinen, der diese Rollen übernehmen könnte.

Daher gebührt auch Allah die alleinige Anbetung. Anders als in anderen Religionen werden im Islam weder Propheten noch Heilige, Engel oder Idole angebetet. All diese gehören zur Schöpfung, die Allah erschuf, Er selbst jedoch steht über dieser Schöpfung und ist mit nichts zu vergleichen. Er weist keine Mängel oder Defizite auf und ein Mensch kann sich Ihn nicht vorstellen.

Der Glaube an die Engel

Die zweite Säule des Glaubens ist der Glaube an die Engel. Der Muslim glaubt an die Existenz der Engel als eine Schöpfung Allahs, die Ihm gegenüber nicht ungehorsam sein können und die kein Recht darauf besitzen, von den Menschen angebetet zu werden. Diese Eigenschaften der Engel werden im Koran und in der Sunna beschrieben. Dazu gehört es auch, dass die Engel unterschiedliche Aufgaben haben, die ihnen von Allah zugeschrieben wurden und die sie erfüllen.

Der Glaube an die Bücher

Der Glaube an die Bücher Allahs umfasst den Glauben daran, dass Allah den unterschiedlichen Propheten verschiedene Schriften offenbarten und dass diese alle die Wahrheit enthielten. Dass heute nur noch der Koran als Wort Gottes gültig ist, hat den Grund, dass alle vorherigen Schriften bis auf ihn von den Menschen verändert wurden. Deswegen ist der Glaube an den Koran besonders wichtig. Er ist die letzte Offenbarung, die die Menschheit von Seiten Allahs offenbart wurde. Nach ihm folgt keine Schrift mehr, der die Menschen folgen könnten. Als Muslim muss man daran glauben, dass der Koran absolute Richtigkeit hat und nichts an ihm falsch ist. Er ist seit der Offenbarung unverändert geblieben und wird dies auch für immer bleiben.

Der Glaube an die Propheten

Dieser beinhaltet den Glauben daran, dass Allah zu jedem Volk Propheten schickte, um sie zum Gehorsam und der Anbetung Allahs allein aufzurufen. Kein einziger dieser Propheten darf abgelehnt werden, man muss an sie alle glauben, seien sie bekannt oder auch unbekannt. Sie reichen von Adam bis zu Muhammad, Friede sei mit ihnen allen. Bei jedem Propheten handelte es sich um einen vorzüglichen Menschen, den Allah wegen seiner Tugendhaftigkeit für diese Aufgabe erwählte. Dennoch waren sie einfache Menschen und hatten nichts Göttliches an sich, was ihnen das Recht auf Anbetung geben würde. Ihre Botschaften an die Menschen waren Offenbarungen von Allah, die sie von Ihm erhielten und die sie sich keineswegs selbst ausgedacht hatten. Beim Überbringen dieser Botschaft irrten sie sich nicht. Folglich muss man ihren Botschaften und ihren Aufrufen Folge leisten. 

Der Glaube an den jüngsten Tag

Diese Säule umfasst sowohl den Glauben an das Leben nach dem Tod sowie den Glauben an das Ende der Welt, den Tag des Gerichts. Muslime glauben daran, dass ein Tag kommen wird, an dem die gesamte Schöpfung, wie sie heute ist, ein Ende haben wird. Daraufhin wird Allah diese auferstehen lassen und zwischen den Geschöpfen ihren Taten entsprechend urteilen. An diesem Tag wird Er die vollkommene Gerechtigkeit wieder herstellen. Diejenigen, die glaubten und die richtige Religion praktizierten, indem sie den Propheten folgten, betreten am Ende dieses Tages das Paradies, in dem sie für alle Zeiten bleiben werden. Dagegen werden diejenigen, die sich Allah widersetzten und nicht glaubten, mit der Hölle bestraft werden. 

Der Glaube an die Vorherbestimmung

Der Glaube an die Vorherbestimmung Allahs bedeutet, dass man versteht, dass Allahs Wissen alles umfasst und es vollständig ist, auch in zukünftigen Dingen. Er, der Erhabene, hat schon immer gewusst, was passieren wird und was nicht. Noch vor der Erschaffung der Menschheit wusste Er, welche Entscheidungen jeder Einzelne treffen wird. Daher steht der Glaube an die Vorherbestimmung nicht im Widerspruch mit der Überzeugung, dass die Menschen über einen freien Willen verfügen. Es bedeutet lediglich, dass Allah schon immer wusste, wie sich ein Mensch in einer Sache entscheiden wird. Alles, was bis zum Tag des Gerichts geschehen wird, hat Er in einem Buch niedergeschrieben. Dieses Buch trägt den Namen „die Mutter aller Bücher“ oder „Die wohlverwahrte Tafel“. Auch wenn die Menschen frei Entscheidungen treffen können, bedeutet das nicht, dass nicht alles, was eintrifft, von Allah so gewollt ist. Und alles, was Er will, trifft ein. Nichts geschieht gegen Seinen Willen, Er erschuf alles und verfährt damit, wie Er will.

Fazit

Sowohl die fünf Säulen des Islams als auch die sechs Säulen des Imans stellen die wichtigsten Aspekte der religiösen Handlungen und den religiösen Überzeugungen dar. Dennoch gibt es neben ihnen noch viele andere Handlungen und Überzeugungen, die verpflichtend sind und nicht außer Acht gelassen werden sollten. Für den Anfang ist es jedoch einfacher, sich zunächst auf die absoluten Grundlagen zu fokussieren. Nach und nach lernt man dann auch weitere Aspekte kennen.

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