Das Streben nach Wissen

11.08.2022
koran-moschee

Dieser Artikel behandelt das gleichnamige Video aus Woche 1 im Beginnerkurs. Er zeigt die Wichtigkeit des Wissenserwerbs im islamischen Kontext auf und beschreibt, um welches Wissen es sich dabei handelt. Außerdem nennt er die Vorzüge dieser Tat, um den Leser zu motivieren, selbst mit dem Streben nach dem Wissen zu beginnen.

Die Bedeutung des Strebens nach Wissen

Das Streben nach Wissen, arabisch Talabul Ilm, beschreibt das Erlernen der Religion Allahs. Dabei strebt ein Muslim danach, so viel Wissen wie möglich zu erlangen: Über Allah selbst, über Seinen Propheten Muhammad, Friede sei mit ihm, die richtige Art der Anbetung und das gottgefällige Leben. Mithilfe dieses Wissens kann ein Muslim sein Leben ganz auf die Anbetung Gottes ausrichten und ist sich seinen religiösen Pflichten bewusst.

Von Anas b. Malik (ra) wurde berichtet, dass der Prophet, Friede sei mit ihm, sagte:

„Das Streben nach Wissen ist Pflicht für jeden Muslim.“ [Sunan Ibn Majah]

Dies deutet darauf hin, dass der Muslim sich um den Erwerb, speziell des für ihn relevanten Wissens, bemühen muss.

Die Arten des Wissens und ihre Relevanz

Die islamischen Wissenschaften sind jedoch breit gefächert und es gibt für jeden Bereich des Lebens islamische Gesetze und Rechtssprüche. Somit ist es für den Muslim zunächst wichtig, sich mit dem grundlegenden Wissen zu befassen. Das grundlegende Wissen ist jenes, was die Muslime brauchen, um ihren Pflichten nachgehen zu können. Hier fängt man wiederum mit den wichtigsten Pflichten an, etwa mit dem Gebet. Den Ablauf des Gebets, sein Inhalt sowie die dazu gehörenden Bewegungen gehören zum Basiswissen, über welches jeder Muslim Bescheid wissen muss.

Hat man über die religiösen Pflichten gelernt, so können in speziellen Fällen noch andere Aspekte des Wissens verpflichtend sein. Dies hängt von der Situation ab, in der sich der jeweilige Muslim befindet. Von allem, mit was er sich beschäftigt oder was er sogar als Beruf ausübt, muss er die islamischen Richtlinien kennen. So sollte beispielsweise ein Mitarbeiter im Finanzsektor die Grundlagen der finanziellen Transaktionen kennen, da dies durch seinen Beruf Pflicht für ihn wird. Kennt er diese Grundlagen nicht, besteht die Gefahr, dass er Richtlinien wie das Zinsverbot missachtet und somit unbewusst sündigt.

Hier wäre der Muslim für seine Sünde, trotz Unwissenheit, verantwortlich. Denn der Wissenserwerb über die islamischen Pflichten sowie über für ihn relevante Themen ist eine religiöse Pflicht. Kommt er dieser nicht nach und begeht anschließend eine Sünde, so ist die Unwissenheit keine Ausrede dafür.

Vervollständigend dazu existieren auch Bereiche des Wissens, welche nicht allgemein verpflichtend sind, zu erlernen. Der Einzelne muss darüber nicht im Detail Bescheid wissen, sollte dieser Bereich nicht für seine individuelle Situation von Bedeutung sein. Dennoch ist es lobenswert, auch in diesen, freiwilligen Bereichen nach Wissen zu streben, denn jedes Wissen in der Religion bringt einen Muslim seinem Schöpfer näher.

Die Vorzüge des Strebens nach dem Wissen

Das Streben nach Wissen ist eine der besten Taten im Islam. So sagte einer der größten Rechtsgelehrten, Imam asch-Schaafii einmal:

„Das Streben nach Wissen ist besser als das freiwillige Gebet.“ [Hilya al-Awliya, Bd. 9, S. 119]

Das freiwillige Gebet besitzt im Islam einen hohen Stellenwert und verspricht einen gewaltigen Lohn im Jenseits. Dass einer der größten Rechtsgelehrten das Streben nach dem Wissen höher ansah als diese Tat, zeigt, wie vorzüglich es ist, sich islamisches Wissen anzueignen. So sollte der Muslim zumindest einen Teil seiner freien Zeit nutzen, um darin nützliches Wissen zu erlernen. Das Investieren in die Bildung ist eine gesegnete Art, Geld und Zeit hinzugeben, für die der Muslim belohnt wird. 

Der Islam ist die Religion des Wissens und der Bildung. Allah, der Erhabene, will, dass die Menschen sich bilden, lesen, lernen und nachdenken. So war der erste Vers, welcher vom Koran offenbart wurde:

„Lies im Namen deines Herrn, Der erschaffen hat.“ [96:1]

Direkt der erste Vers des Korans fordert auf, zu lesen, denn das Lesen ist der Schlüssel zum Wissen. Das Wissen ist edel und wertvoll und wird als ein Licht beschrieben, welches in der Dunkelheit der Unwissenheit den Weg zur Rechtleitung weist. Nur durch Wissen kann die Wahrheit von der Falschheit und die Rechtleitung von der Irreleitung unterschieden werden.

Welche besondere Stellung die Gelehrten im Islam haben, wird in folgendem Hadith deutlich. Der Prophetengefährte Abu ad-Darda, berichtet darin, dass der Prophet, Friede sei mit ihm, sagte:

„Wer einen Weg einschlägt, über den er nach Wissen strebt, mit dem schlägt Allah einen Weg zum Paradies ein! Die Engel senken ihre Flügel aus Zufriedenheit mit dem nach dem Wissen Strebenden! Für den Gelehrten bittet jeder, der in den Himmeln und auf der Erde ist, um Vergebung! Sogar die Fische inmitten des Wassers! Der Vorzug eines Gelehrten gegenüber einem viel Anbetenden ist gleich dem Vorzug des Mondes in einer Vollmondnacht gegenüber allen anderen Himmelskörpern! Die Gelehrten sind die Erben der Propheten! Propheten haben weder einen Dinar noch einen Dirham vererbt, sondern das Wissen! Wer es also nimmt, der hat mehr als genug bekommen!“ (Sunan Abi Dawud)

Der Vorzug der Gelehrten und die Wichtigkeit des Wissens ist damit zu begründen, dass dadurch das Wissen bewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben wird. Gelehrte, die den Inhalt des Korans oder die Hadithe auswendig in ihren Köpfen bewahren, können das Wissen sogar weitergeben, wenn Bücher verboten oder zerstört sein sollten.

Doch auch für den Einzelnen ist die islamische Bildung von großer Bedeutung. So trägt das Wissen über den Schöpfer und Seinen Propheten, Friede sei mit ihm, dazu bei, dass der Muslim Liebe für sie empfindet. Dies wurde bereits im Artikel „Die Liebe zu Allah“ behandelt. Durch das Erlernen Seiner Eigenschaften und Namen lernt ein Muslim Allah erst kennen. Ähnlich verhält es sich mit dem Wissen über den Propheten Muhammad, Friede sei mit ihm. Die wahre Gottesfurcht ist ein Resultat davon, dass man sich tiefgehend mit den Eigenschaften Allahs beschäftigt und diese verinnerlicht. So sagt Allah im Koran:

„Allah fürchten von Seinen Dienern eben nur die Gelehrten.“ [35:28]

Kein Mensch, der sich nicht mit den Eigenschaften Allahs beschäftigt hat, kann so Gottesfurcht besitzen. Genauso verhält es sich mit der Hoffnung auf die Barmherzigkeit Gottes, sie wirklich zu spüren, setzt Wissen voraus.

Und so vergleicht der Koran auch mehrmals den Unwissenden mit dem Wissenden. Etwa in Sure az-Zumar, in der Allah sagt:

„Sag: Sind etwa diejenigen, die wissen, und diejenigen, die nicht wissen, gleich? Doch bedenken nur diejenigen, die Verstand besitzen.“ [39:9]

Diese beiden Gruppen sind eben keinesfalls gleich, denn die Wissenden, diejenigen, die ihre Religion erlernten, haben einen Vorzug gegenüber denen, die dem islamischen Wissen gegenüber ignorant sind.

Für alle die Muslime, die zu ihrer Religion zurückgefunden haben und in ihrem vorherigen Leben wenig Kontakt mit dem islamischen Wissen hatten, gilt, dass es nie zu spät ist, mit dem Streben nach Wissen anzufangen. Der Gefährte des Propheten, Friede sei mit ihm, Abu Huraira, nahm beispielsweise erst drei Jahre vor dem Tod des Propheten, Friede sei mit ihm, den Islam an. Dennoch wurde er in dieser kurzen Zeit zu einem der gelehrtesten Gefährten in der Geschichte. Sobald ein Mensch den Drang verspürt, mehr über seine Religion zu lernen, ist dies ein Zeichen, dass er damit beginnen soll. Denn Allah setzt diesen Wunsch in die Herzen derjenigen, die Er liebt und Er erleichtert ihnen auch das Lernen. So sagte der Prophet, Friede sei mit ihm:

„Wem Allah etwas Gutes möchte, dem gibt Er Verständnis in der Religion.“ [al-Bukhari]

Fazit

Besonders als neuer Muslim ist es von großer Bedeutung, die Pflichten und das Praktizieren der Religion zu erlernen, da dies eine verpflichtende Handlung darstellt. Darüber hinaus ist es eine vorzügliche Tat, auch weitergehend das Wissen zu suchen, sollte dies auch nicht verpflichtend für den Einzelnen sein. Je mehr ein Muslim über seine Religion lernt, umso mehr Ruhe und Liebe empfindet er beim Gedanken an seinen Schöpfer. Die Vorzüge des Wissenserwerbs sind zahlreich in Koran und Sunna beschrieben. Über das islamische Wissen hinaus sollte der Muslim auch bestrebt sein, sich in weltlichen Dingen fortzubilden. Besteht die muslimische Gemeinschaft aus gebildeten Personen, führt dies zu einer starken und unabhängigen Ummah.

 

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