Das Gebet für Anfänger

das gebet 16.09.2022

Dieser Artikel erklärt das rituelle Gebet speziell für Muslime ohne jegliches Vorwissen. Dadurch, dass es in den Details des Gebets teilweise Meinungsunterschiede gibt, kann es sein, dass andere Muslime leicht anders beten als hier dargelegt. Die hier beschriebene Form des Gebetes ist die geläufigste auf der ganzen Welt. Jede der Handlungen im Gebet geht auf einen Beweis aus der Sunna, den Überlieferungen des Propheten, Friede sei mit ihm, zurück. Hier ist das Gebet jedoch vereinfacht dargestellt und nicht alle Quellen werden genannt.

Das Erlernen des Gebets

Schon vorangegangene Artikel beschrieben, dass das Gebet für den Muslim eine Pflicht ist. Folglich ist es auch verpflichtend für neue Muslime, das Gebet zu erlernen, sollten sie es noch nicht können. Der Islam ist jedoch eine praktische und auch barmherzige Religion. Ist man nicht in der Lage dazu, eine Pflicht auszuführen, so ist man von dieser befreit. Daher gilt auch, dass ein neuer Muslim nicht dazu verpflichtet ist, direkt sein erstes Gebet fehlerfrei zu beten. Die Pflicht ist es jedoch, das Gebet zu erlernen, so schnell man dazu in der Lage ist. Unnötiges Verzögern ist hier nicht angebracht. Konvertiert jemand zum Islam oder findet zu seiner Religion zurück, wird er jedoch schon früh mit dem Gebet konfrontiert. Dieses muss fünfmal täglich verrichtet werden und es dauert daher meist nur wenige Stunden bis zum nächsten Gebet. Es ist zudem für den neuen Muslim sofort verpflichtend. Da man in dieser Situation normalerweise über wenig bis kein Vorwissen verfügt, gab der Prophet, Friede sei mit ihm, den Menschen eine Erleichterung. Neue Muslime, die die Aussprüche im Gebet noch nicht beherrschen, können mit Ersatzaussprüchen beten, solange bis sie die eigentlichen Texte auswendig können. Mit diesen Ersatzaussprüchen erklärt dieser Artikel zunächst die Bewegungen im Gebet, so dass der Anfänger direkt sein erstes Gebet damit verrichten kann.

Eine der Schwierigkeiten des Gebets ist es, dass die Texte auf Arabisch gesprochen werden. Dies kann sogar für Menschen kompliziert sein, die die arabische Sprache eigentlich beherrschen. Deswegen ist ein wichtiger Ratschlag für das Erlernen des Gebets, dass man es zunächst einfach betet, so gut man kann. Nebenbei kann man die Texte auch außerhalb des Gebets auswendig lernen. Die Bedeutung der Texte kann man entweder parallel dazu oder, um sich selbst nicht zu überfordern, auch danach erlernen. Das Gebet zu erlernen, kann manchmal schwer erscheinen. Allah, der Erhabene, hat die Religion für die Menschen jedoch leicht gemacht. Im Koran sagt Er:

„Daher fürchtet Allah, soweit ihr könnt.“ [64:16]

Dies weist darauf hin, dass der Islam eine Toleranz gegenüber Fehlern und menschlicher Schwäche hat. Das wichtige ist, wie bei allen Handlungen, auch beim Erlernen des Gebets die Absicht dahinter. Solange sich der Muslim anstrengt und die Absicht hat, das Gebet schnellstmöglich zu erlernen, wird er von Allah, dem Erhabenen, dafür belohnt.

Der Ablauf der Gebete

Die Muslime entnehmen alles, was mit dem Ablauf und der Verrichtung des Gebets zu tun hat, aus den Offenbarungsquellen: dem Koran und der Sunna. Besonders beim Ablauf des Gebets ist der Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm, selbst meist die Quelle. Dies geht auf eine seiner Aussagen zurück: „Betet so, wie ihr mich beten gesehen habt“ [Bukhari]. Der folgende Ablauf ist der, den die Gefährten des Propheten, Friede sei mit ihm, von ihm überlieferten.

Zunächst einmal hat jedes der Gebete eine eigene Anzahl an Gebetseinheiten. Als Gebetseinheit bezeichnet man eine Abfolge des Stehens, Verbeugens und der Niederwerfung, die sich innerhalb des Gebets wiederholt. Diese Einheit hat auf Arabisch den Namen „Raka“. Um ein Gebet verrichten zu können, muss man wissen, wie viele Gebetseinheiten es beinhaltet und ob es leise oder laut verrichtet wird. Bei leisen Gebeten flüstert der Betende die Aussprüche nur. Bei lauten Gebeten muss die Lautstärke nicht viel lauter sein, es reicht aus, wenn der Betende sich selbst dabei hören kann. Das Gebet laut zu verrichten ist eine freiwillige Tat, betet man ein lautes Gebet leise, macht dies das Gebet nicht ungültig. Die Gebetseinheiten einzuhalten ist dagegen verpflichtend. Die folgende Tabelle listet die Pflichtgebete mit ihren Gebetseinheiten auf. Außerdem zeigt sie, ob ein Gebet leise oder laut verrichtet wird.

Pflichtgebet (Fard)

Gebetseinheiten (Rakaʿat)

Lautstärke

Morgengebet (Fadschr)

2 Rakaʿat

laut (beide)

Mittagsgebet (Dhuhr)

4 Rakaʿat

leise

Nachmittagsgebet (ʿAsr)

4 Rakaʿat

leise

Abendgebet (Maghrib)

3 Rakaʿat

laut (die ersten beiden)

Nachtgebet (ʿIsha)

4 Rakaʿat

laut (die ersten beiden)

Tabelle 1: Die Pflichtgebete mit ihren Gebetseinheiten und Lautstärken

Hinter den jeweiligen Pflichtgebeten stehen ihre Namen auf Arabisch. Das Morgengebet (Fadschr) besteht aus zwei Gebetseinheiten und wird laut gebetet. Das Mittagsgebet (Dhuhr) sowie das Nachmittagsgebet (ʿAsr) werden mit jeweils vier Rakaʿat und leise verrichtet. Anschließend folgt das Abendgebet (Maghrib) mit drei Gebetseinheiten, von denen die ersten beiden wieder laut verrichtet werden. Am Ende steht das Nachtgebet (ʿIsha) mit 4 Gebetseinheiten, bei dem ebenso die ersten beiden laut verrichtet werden. Das laute Rezitieren ist keine Pflichthandlung.

Darüber hinaus gibt es weitere Gebete, deren Verrichtung jedoch freiwillig ist. Um zu erfahren, welches Gebet als nächstes ansteht, hilft eine Gebetsapp oder ein Gebetskalender aus der lokalen Moschee. Von diesen können die Gebetszeiten abgelesen werden, die sich täglich um wenige Minuten verändern.

Die Ersatzaussprüche

Dieser Absatz erklärt den Aufbau einer Gebetseinheit mit den Ersatzaussprüchen, mit denen ein neuer Muslim anfangs beten darf. Folgende Aussprüche werden benutzt:

  • Allahu Akbar - Allah ist größer (als alles andere)
  • Subhaan Allaah - Lobpreisung, etwa: Gepriesen sei Allah
  • Al-hamdu lillaah - Alles Lob gebührt Allah (etwa: Gott sei Dank)
  • Laa ilaaha illallaah – Es gibt keine Gottheit außer Allah
  • As-Salamu alaikum - Friedensgruß

Der Ausspruch „Allahu Akbar“ wird dabei bei Bewegungen innerhalb des Gebets gesagt. In den einzelnen Positionen des Gebets, in denen eigentlich ein anderer Gebetstext aufgesagt wird, sagt der neue Muslim Folgendes: „Subhaan Allaah - wal-hamdu lillaah - wa-laa ilaaha illallaah - wallaahu akbar.“ Das Wort „wa“ bedeutet dabei „und“ und verbindet die verschiedenen Aussprüche zu einem Text. Die Erlaubnis, das Gebet anfangs mit diesen Aussprüchen verrichten zu dürfen, stammt aus einer Überlieferung, in der der Prophet, Friede sei mit ihm, sagte: „Was auch immer ihr vom Koran könnt, so rezitiert es, wenn ihr das nicht könnt, dann preist Allah, bezeugt Seine Einheit und glorifiziert Ihn.“ [Abu Dawud]

Bei den oben genannten Aussprüchen handelt es sich um genau das, sie stellen das Lobpreisen und Glorifizieren Allahs und das Bezeugen Seiner Einheit dar. Diese dürfen nur benutzt werden, bis der neue Muslim das eigentliche Gebet erlernt hat. Um dies zu beschleunigen, ist es auch möglich, die eigentlichen Gebetstexte anfangs von einem Zettel oder dem Handy abzulesen.

Der Aufbau einer Gebetseinheit

Eine Gebetseinheit oder Raka läuft wie folgt ab:

1) Zunächst stellt man sich aufrecht Richtung Qibla.

2) Dann erhebt man die Hände bis zu den Schultern, wobei die Handinnenflächen nach außen zeigen. Während dieser Bewegung spricht man „Allahu Akbar“.

3) Nun platziert man beide Hände auf der Brust. Dabei legt man die rechte über die linke Hand. In dieser Stehposition sagt man: „Subhaan Allaah wal-hamdu lillaah wa-laa ilaaha illallaahu wallaahu akbar“.

4) Anschließend sagt man wieder „Allahu akbar“ und geht währenddessen in die Verbeugung. Bei der Verbeugung werden die Hände über den Knien platziert, wobei man sich mit geradem Rücken nach vorne beugt. In dieser Position spricht man wieder: „Subhaan Allaah wal-hamdu lillaah wa-laa ilaaha illallaahu wallaahu akbar“.

5) Danach erhebt man sich aus der Verbeugung und sagt währenddessen erneut „Allahu Akbar“. Steht man wieder aufrecht da, sagt man „„Subhaan Allaah wal-hamdu lillaah wa-laa ilaaha illallaahu wallaahu akbar“.

6) Nun folgt die Niederwerfung. In der Niederwerfung geht man auf die Knie, wobei beide Handflächen und die Stirn auf den Boden bzw. auf den Gebetsteppich gelegt werden. Während man in die Niederwerfung geht, spricht man „Allahu Akbar“, ist man in der Position angekommen, „Subhaan Allaah wal-hamdu lillaah wa-laa ilaaha illallaahu wallaahu akbar“.

7) Anschließend erhebt man sich in die Sitzhaltung. Dabei sitzt man auf seinen Unterschenkeln und sagt während der Bewegung „Allahu Akbar“. Auch in der Sitzposition wiederholt man wieder „Subhaan Allaah wal-hamdu lillaah wa-laa ilaaha illallaahu wallaahu akbar“.

8) Danach geht man erneut in die Niederwerfung, wobei man „Allahu Akbar“ sagt. Mit der Stirn auf dem Boden spricht man „Subhaan Allaah wal-hamdu lillaah wa-laa ilaaha illallaahu wallaahu akbar“.

9) Als letztes steht man mit den Worten „Allahu Akbar“ wieder auf.

Dies ist der Ablauf einer Gebetseinheit. Jedes Gebet hat mindestens zwei dieser Einheiten.

Ein volles Gebet

Soll nun ein volles Gebet mit zwei Raka wie das Morgengebet verrichtet werden, so schließt man an Schritt 9) an. Im stehenden Zustand befindet man sich in der Ausgangsposition von Schritt 2). Daher wiederholt man alle Schritte bis Schritt 8). Man geht also zweimal in die Niederwerfung. Nach der zweiten Niederwerfung stellt man sich jedoch nicht wieder auf, sondern erhebt sich mit den Worten „Allahu Akbar“ in die Sitzposition, in der man auch zuvor war. In dieser Haltung spricht man abermals die Worte „Subhaan Allaah wal-hamdu lillaah wa-laa ilaaha illallaahu wallaahu akbar“.

Anschließend schließt man das Gebet ab. Dafür dreht man den Kopf einmal nach rechts und dann einmal nach links und sagt beide Male die Worte „As-Salaamu alaikum“. Damit ist das Gebet beendet.

Bei einem Gebet mit drei Gebetseinheiten, wie dem Abendgebet, verfährt man auf die gleiche Art, jedoch sagt man nach der zweiten Gebetseinheit nicht sofort „As-Salaamu alaikum“, sondern steht noch einmal auf und hängt eine weitere Gebetseinheit an. Erst nach der dritten Gebetseinheit schließt man das Gebet ab.

Ein Gebet mit vier Gebetseinheiten hat die Besonderheit, dass man nach der dritten Einheit sofort wieder aufsteht. Man wiederholt in der dritten Raka also den Ablauf der ersten. Ebenso sind die zweite Einheit und die vierte Einheit gleich. Am Ende der vierten Raka schließt man das Gebet mit „As-Salaamu alaikum“ ab.

Anmerkungen

Auf diese Art und Weise darf nur gebetet werden, bis der neue Muslim die eigentlichen Gebetstexte beherrscht. Man sollte sich bemühen, diese so schnell wie möglich zu erlernen. Der folgende Blogartikel „Das Gebet für Fortgeschrittene“ behandelt diese Texte sowie ihre deutsche Bedeutung.

Das Erlernen des Gebets kann für den neuen Muslim überwältigend sein. Deswegen ist es dringend ratsam, anfangs nicht nur mit solchen Anleitungen, sondern auch mit Videos, Illustrationen oder im besten Fall in der Gemeinschaft zu beten. Im Beginnerkurs finden sich einige Videos, in denen die Bewegungen im Gebet gezeigt werden. So kann der neue Muslim vermeiden, dass sich Fehler bei seiner Gebetshaltung einschleichen, da die Beschreibung teilweise kompliziert ist.

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